Wir sind das eine Prozent! - Deutsche "Top-Manager" verdienen soviel wie nie zuvor

Quelle: Bertel Schmitt/CC BY-SA 3.0
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Zunehmende prekäre Beschäftigungsverhältnisse für viele bundesdeutsche Arbeitnehmer, Stagnation der europäischen Wirtschaft, doch für die Vorstandschefs der 30 größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands hat sich das Jahr 2014 sehr bezahlt gemacht. Durchschnittlich 5,9 Millionen Euro haben die deutschen Vorstandschefs im vergangenen Jahr verdient. Dies entspricht einer "Lohnsteigerung" von zehn Prozent. Davon kann der Rest der Republik nur träumen.

Von durchschnittlich 5,4 Millionen Euro, wie dies für das Jahr 2013 errechnet worden war, stiegen die Gehälter im Vorjahr noch mal um 9,8 Prozent auf im Schnitt 5,9 Millionen. Dies hat die Unternehmensberatung hkp herausgefunden, die sich eingehend mit den Vergütungsberichten der DAX-30-Unternehmen befasst haben, die seit 2006 im Detail auflisten müssen, welcher Vorstand exakt wie viel verdient.

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Mit 2,2 Milliarden Euro lag der durchschnittliche Gewinn eines DAX-30-Konzerns nahe am bisherigen Rekordwert von 2,4 Milliarden im Jahr 2007. An Dividenden wurden insgesamt 29,5 Milliarden Euro an die Aktionäre ausgeschüttet – ebenfalls ein zuvor noch nie in dieser Höhe dagewesener Wert.

Am besten verdiente im Vorjahr einmal mehr Volkswagen-Chef Martin Winterkorn mit 15,9 Millionen Euro. Der Zweiplatzierte, Dieter Zetsche von Daimler, kam auf 14,4 Millionen. Demgegenüber

nehmen sich Infineon-Chef Reinhard Ploss sowie Commerzbank-Chef Martin Blessing und Beiersdorf-Manager Stefan Heidenreich mit Verdienstsummen zwischen zwei und 2,1 Millionen Euro verhältnismäßig bescheiden aus.

Für das Geschäftsjahr 2014 haben die meisten Dax-Konzerne erstmals jene Empfehlungen hinsichtlich der Berechnungsmethode genutzt, die seitens der Kommission für gute Unternehmensführung (Corporate Governance Kommission) 2013 erarbeitet und den Unternehmen nahegelegt wurden. Lediglich BMW und Merck sind beim Rechnungslegungsstandard des HGB geblieben, der bis dato den gesetzlichen verpflichtenden Mindeststandard hinsichtlich der Transparenz der Verdienstsummen umschreibt.

Die Berechnungsmethoden unterscheiden sich dabei vorwiegend in ihrer Berücksichtigung von variablen Gehaltsbestandteilen, die nur dann tatsächlich virulent werden, wenn der betreffende Manager seine im Voraus festgelegten Ziele erreicht.

Eine nach dieser Maßgabe in Aussicht gestellte variable Vergütung wird nach HGB komplett in den Verdienst eingerechnet – auch dann, wenn die Ziele nicht erreicht werden und es dadurch nicht zu einer

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Auszahlung kommt. Auch Rückstellungen für die Altersversorgung, Nebenleistungen wie Dienstwägen oder Chauffeure sowie Kommunikationseinrichtungen werden unterschiedlich behandelt – diese tauchen bei der HGB-Methode nicht auf.

Im Wesentlichen orientierte sich die Entwicklung der Managergehälter jedoch parallel zur Gewinnentwicklung der Konzerne selbst, ein starkes Ungleichgewicht oder gar eine Explosion der Managergehälter sei nicht wahrnehmbar, so hkp-Managing-Partner Michael Kramarsch gegenüber der FR.

Auch im internationalen Vergleich nehmen sich die Verdienstsummen der deutschen Manager eher moderat aus: In Gesamteuropa insgesamt lag der Durchschnittsverdienst der Manager großer Firmen, die schon Zahlen vorgelegt haben, bei 6,2 Millionen Euro, in den USA sogar bei umgerechnet 13,3 Millionen Euro.

 

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