Werbetour der US-Militärs trifft auf Widerstand: Tschechen kündigen Proteste an und fühlen sich an sowjetische Panzer beim Prager Frühling erinnert

Quelle: Ruptly
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Die Werbetour von US-Kampfpanzern durch Osteuropa trifft auf Widerstand. So haben Antikriegsaktivisten in Tschechien die Kampagne „Tanks? No thanks!“ („Panzer, Nein Danke!“) gestartet, um gegen die Panzerprozession der US-Army durch das osteuropäische Land zu protestieren. Aus ihrer Sicht stellt das Unterfangen eine „provokative Siegesfeier“ nahe der russischen Grenze dar. Aus Angst vor Protest und zum Schutz des US-Militärkonvois hat die tschechische Regierung lokalen Medien zufolge sogar eine spezielle Militäreinheit abgestellt.

Die US-Militärfahrzeuge, die an Nato-Übungen in Polen, Litauen und Estland teilnehmen sollen, wollen auf ihrem Weg zurück in eine Basis in der deutschen Stadt Vilseck in der Zeit vom 29. März bis 1. April das Territorium der Tschechischen Republik durchqueren und dabei Werbung für die US-Army betreiben, Training für Kinder am US-Maschinengewehr inklusive.

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Die Übung, die unter dem Titel „Dragoon Ride - Ritt der Dragoner“ steht (das englischsprachige Verb „to dragoon“ steht übrigens treffenderweise für „zwingen“ und „unterdrücken“), soll mehr als 100 Stryker-Fahrzeuge, welche offenbar zur Stationierung in Europa angedacht sind, umfassen und in jeder Nacht in einer anderen Stadt Halt machen. Wie die Nachrichtenagentur Pressenza berichtet, wurde die Autorisierung des Transports ohne jedwede Debatte im Parlament durchgewunken.

Den Aktivisten zufolge wurde einzig aus provokativen Gründen eine herkömmliche Truppenverlegung in eine „Siegesparade“ umfunktioniert, um mittels dieser Aktivitäten örtliche Bewohner mit militärischer Macht zu beeindrucken.

Quelle: Wikimedia/ Che CC BY-SA 2.5

Dies wecke unangenehme Assoziationen, so Tana Bednarova von der Gruppe „Welt ohne Kriege und Gewalt“, die zu den Unterstützerinnen der Kampagne gehört. „Das letzte Mal, dass Fahrzeuge wie diese durch Tschechien fuhren, war 1968, als sowjetische Panzer den Prager Frühling niederwalzten. Wir wollen nicht, dass sich fremde Panzer jemals wieder in dieser Weise durch unser Land bewegen.“

Bednarova kritisierte auch die Nato-Osterweiterung scharf. Würden die USA und ihre Verbündeten tatsächlich Sicherheit schaffen wollen, müssten sie Russland, China und alle weiteren Länder der Welt auch einladen.

Auch die tschechischen Kommunisten sprachen sich gegen die Parade aus. Diese würde lediglich Verkehrsstaus erzeugen und ein Ärgernis für die Anwohner darstellen. Aus Angst, Protestierende könnten „Provokationen“ durchführen, habe die tschechische Regierung lokalen Medien zufolge sogar eigene Militäreinheiten dazu abgestellt, den US-Militärkonvoi zu schützen.

Die Konvoi-Gegner wollen nun mit nachgemachten Verkehrszeichen entlang der Fahrtroute, auf denen Panzer in einem roten Kreis mit einer roten Linie durchgestrichen sind, zeigen, dass die Militärfahrzeuge nicht willkommen sind.

Üblicherweise werden Stryker-Fahrzeuge per Bahn befördert, dass diesmal jedoch der Transport über die Straße geschehen soll, soll ein Zeichen der USA gegenüber der Nato und ihrer Verbündeten in der Region darstellen. Lt. Gen. Ben Hodges, dem Oberbefehlshaber der US-Armee in Europa, zufolge sei es wichtig für die Amerikaner, zu zeigen, dass man in der Lage sei, lange Strecken zurückzulegen, nachdem die Russische Föderation ihrerseits im Zuge eines breit angelegten Manövers Anfang März ebenfalls eine große Anzahl an Truppen verlegt habe:

Die USA verlegen 600 Fallschirmspringer in die bürgerkriegsgeschüttelte Ukraine
„Die Hauptabsicht ist es, den Verbündeten, die am nächsten am Bären leben, zu zeigen, dass wir hier sind. Präsident Putin nutzt permanent jede Bewegungsfreiheit. Er bewegt Truppen kreuz und quer durch Russland, wie es ihm beliebt.“
Die Verlegung kommt zu einem Zeitpunkt erhöhter Spannungen zwischen Moskau und dem Westen angesichts des Jahrestages der Abspaltung der Krim von der Ukraine und ihrer Eingliederung in den russischen Staatsverband. Die USA und die EU beschuldigen Russland zudem, den Aufstand im Osten der Ukraine durch militärisches Gerät und Truppen zu unterstützen, was der Kreml bestreitet.

Russland hat seinerseits am Wochenende eine Militärübung beendet, an der 80.000 Soldaten in über 10.000 Fahrzeugen, 65 Kriegsschiffen, 16 Unterstützungsboote, 15 U-Boote sowie 200 Kampfflugzeuge und Helikopter teilnahmen. Dies allerdings in den Grenzen des eigenen Staatsgebietes.