Türkei: IS-Menschenschmuggler ist zugleich Agent des kanadischen Geheimdienstes CSIS

Quelle: CSIS/ csiscareers.ca
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Ein syrischer Menschenschmuggler der für den Islamischen Staates (IS) arbeitet, soll gleichzeitig als Doppelagent für den kanadischen Geheimdienst CSIS tätig sein. Während beispielsweise türkische Medien umfassend darüber berichten und türkische Politiker Kanada auffordern den Fall aufzuklären, schweigt die kanadische Regierung zu den Vorwürfen. Auch die westlichen Medien haben den Fall bisher nicht aufgegriffen.

Der ehemalige syrische Arzt Mohammed al-Rasched soll junge Europäer, die in die Türkei reisten um sich dem IS anzuschließen, bei entsprechender Bezahlung in die IS-Hauptstadt Raqqa geschafft haben. Über seine Aktivitäten beim Menschenschmuggel zwischen der türkisch-syrischen Grenze und der IS-Hochburg hat Rasched nach türkischen Geheimdienstinformationen in Folge die Geheimdienstmitarbeiter in der kanadischen Botschaft in Jordanien informiert.

Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu, dessen Regierung wegen des starken Zufluss westlicher Dschihadisten, die sich via Türkei dem IS anschließen, stark unter Druck geraten ist, erklärte, dass der Syrer im Dienste eines Auslandsnachrichtendienstes stehe, dessen Land an der Anti-IS-Koalition beteiligt sei. Zwar wollte der Minister den Geheimdienst nicht beim Namen nennen, konzedierte jedoch, dass der Dienst nicht aus den USA oder der Europäischen Union komme.

Quelle: The U.S. Army/CC BY 2.0

Unterdessen wurden türkische Medien deutlicher und behaupten, dass der verantwortliche Geheimdienst hinter dem syrischen IS-Schmuggler der Canadian Security Intelligence Service (CSIS) sei, damit ist der wichtigste zivile Nachrichtendienst des nordamerikanischen Landes gemeint.

Die letzte Stellungnahme der kanadischen Regierung ist ebenfalls alles andere als entlastend. So sagte Ottawa, es könne nur bestätigen, dass es sich im Fall von Rasched nicht um einen kanadischen Staatsbürger oder konkreten CSIS-Mitarbeiter handle, weigerte sich jedoch, auf Anfragen aus Ankara zu reagieren oder diese zu kommentieren.

Warum der Westen kein Interesse am Ende des Bürgerkrieges in Syrien hat

Unterdessen veröffentlichte der türkische Fernsehsender A Haber ein Video, das den Verdächtigen bei der Überführung der britischen Mädchen Kadiza Sultana, Schamima Begum und Amira Abase nach Syrien zeigt. Mitte Februar sollen die drei auf dem Istanbuler Atatürk-Flughafen gelandet sein. Im Westen löste die Nachricht über die Ausreise der Schulmädchen Entsetzen aus. Nun, sollten sich die Anschuldigungen bestätigen, wäre insbesondere das ambivalente Verhalten Kanadas mitverantwortlich am Dschihad-Tourismus.

Laut der türkischen Tageszeitung Sabah soll der 28-jährige Syrer erklärt haben, dass er vor dem syrischen Bürgerkrieg nach Jordanien geflüchtet sei, um im Westen einen Asylantrag stellen zu können, bevor die kanadische Botschaft in Jordanien auf ihn aufmerksam wurde. Im Gegenzug zu seinen Kontakten zum IS und seiner Arbeit als Informant soll Rasched die kanadische Staatsangehörigkeit angeboten worden seien, hieß es von Seiten der türkischen Polizei, die den Verdächtigen verhörte.

Quelle: Kanadische Armee

Das Nachrichtenblatt Star berichtete von Dokumenten, die eine Korrespondenz von Rasched und dem CSIS belegen, darüber hinaus sollen Fotos von über 20 Pässen gefunden worden sein, darunter die der drei britischen Schulmädchen sowie anderer Dschihadisten, die vermutlich bereits in Syrien sind.

Ray Boisvert, ein ehemaliger CSIS Anti-Terror-Chef, räumte ein, dass es eigentlich genau die Aufgabe des CSIS sei, solche Informationen zu erhalten.

Er sagte:

„Wenn der CSIS daran beteiligt ist, dann ist das die neue Realität, in der wir uns befinden. Das ist doch genau das, was sie tun sollen. Sie sollen Quellen und Agenten überall da auf der Welt haben, wo kanadische Interessen existieren.“
Was für den Ex-Spion die alltägliche Realität zu sein scheint, ist für die Opposition im Land dagegen eine ernste Angelegenheit. Diese hat gegenüber der Regierung von Stephen Harper eine parlamentarische Fragestunde eingefordert, in der es um die fragwürdigen Verbindungen von „Harpers handverlesenem Botschafter“ gehen soll.