Umfrage: Nach gelungener Hetzkampagne der Bild sind die meisten Deutschen für Grexit

Quelle: Ruptly
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52 Prozent aller Deutschen wollen den Austritt Griechenlands aus der Eurozone, zwei Wochen zuvor waren noch 40 Prozent aller Befragten für einen solchen Schritt. Begründet wird dies mit den in letzter Zeit harten Verhandlungen Athens mit Brüssel und anderen internationalen Finanzinstitutionen über die Konditionen der Schuldenrückzahlung, die in Deutschland entfremdend wirken sowie letztlich auf Unverständnis stoßen, insbesondere unter Regierungskreisen.

Aus der Umfrage, die vom 10. bis zum 12. März per Telefon von der Forschungsgruppe Mannheim durchgeführt wurde, geht hervor, dass nur 40 Prozent aller befragten Deutschen sagten, Griechenland solle in der Eurozone bleiben. Dass sie nicht sicher über den Verbleib des südeuropäischen Staates seien, sagten nicht weniger als acht Prozent.

Griechenlands Staatsverschuldung beläuft sich auf rund 445 Milliarden Euro. Im Gegenzug zu Krediten der so genannten Troika, die der desolaten Wirtschaft Griechenlands angeblich wieder auf die Beine helfen sollen, verpflichtete sich Athen, umfassende bis schmerzliche Strukturreformen umzusetzen.

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Diesbezüglich glauben nur 14 Prozent der Befragten, dass sich Griechenland noch ernsthaft  den ausgehandelten Vereinbarungen verpflichtet fühlt. Ganze 82 Prozent fürchten gar, dass die neue Regierungspartei Syriza in Athen überhaupt keine Troika-Vereinbarung mehr umsetzen wird.

Tsipras, der die Wahlen im Januar für sich entscheiden konnte, sucht seit Regierungsantritt in immer härteren politischen Manövern, Brüssel von der untragbaren Belastung, die Griechenland zu tragen hat, zu überzeugen. So forderte der Ministerpräsident erst am Mittwoch die Bundesregierung zum erneuten Male dazu auf, nie beglichene Reparationszahlungen für die Gräueltaten der Hitlerwehrmacht im Zweiten Weltkrieg zu leisten, ansonsten drohte er, griechische Behörden würden deutsche Vermögenswerte im Land beschlagnahmen. Einen Tag später soll der griechische Verteidigungsminister damit gedroht haben, Europa „mit Flüchtlingen, darunter auch Dschihadisten zu fluten“, sollte Hellas nicht weiter von der EU unterstützt werden.

Die Telefon-Umfrage ergab, dass nur 11 Prozent der Deutschen glaubt, Syriza würde vertrauenswürdige Verhandlungen mit dem Rest von Europa führen.

Die zunehmend reservierte Stimmung in Deutschland wurde allerdings auch von der "Bild", einer Zeitung mit einer täglichen Auflage von 2,6 Millionen Blatt, zumindest mit angeheizt. Insbesondere die von dem Hetzblatt vom Zaun gebrochene Anti-Griechenland-Kampagne unter dem Slogan „NEIN, keine Zugeständnisse mehr für Griechen“ dürfte ihr Ziel nicht verfehlt haben.

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Während Deutschlands Politiker zuvor einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone für undenkbar hielten, wollte Finanzminister Wolfgang Schäuble kürzlich einen solchen Schritt nicht mehr ausschließen.

Die sich wandelnde Stimmung zwischen Deutschland und Griechenland kommt zudem inmitten eines mittlerweile mit harten Worten ausgefochtenen Krieges beider Staaten.

Medienberichten zufolge kanzelte der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble seinen griechischen Amtskollegen Yanis Varoufakis als „dumm und naiv“ ab, folglich reichte Griechenland im Auswärtigen Amt einen formellen Protest ein.

In einem Interview mit der Bild-Zeitung, das am vergangenen Samstag veröffentlicht wurde, hat der griechische Verteidigungsminister Panos Kammenos wiederum Schäuble beschuldigt, er sei vorgeblich anti-griechisch eingestellt in seinen Aussagen.