Fünf Verdächtige im Zusammenhang mit dem Nemzow-Mord in Moskau verhaftet

Quelle: Ruptly
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Die russische Justiz hat über fünf Personen Haftbefehle verhängt, die in den Mord am russischen Oppositionspolitiker Boris Nemzow involviert sein sollen. Einer der Verdächtigen ist geständig. Die Spur führt nach Tschetschenien und dabei sogar in den Staatsapparat. Nun will die Justiz die Motive hinter der Tat erhellen. Dabei will man weiterhin in alle Richtungen ermitteln.

Wenn westliche Medien eine möglicherweise dschihadistisch-motivierte Straftat nicht für islamfeindliche Titelstorys nutzen, dann weist das auf blankes Entsetzen darüber hin, dass eine anderweitige Propagandamission kläglich gescheitert sein muss.

Und es ist die effiziente und gründliche Ermittlungsarbeit der russischen Staatsanwälte, die bereits eine Woche nach dem Mord am Oppositionspolitiker Boris Nemzow zu Ergebnissen führte. Und im Unterschied zu vielen spektakulären Mordfällen, die westliche Länder erschüttert hatten, gibt es sogar lebende mutmaßliche Tatbeteiligte und Zeugen.

Das zuständige Gericht im Moskauer Bezirk Basmanny hat fünf Personen in Haft genommen, die unter dringendem Tatverdacht stehen, in den Mord an Boris Nemzow Ende Februar involviert zu sein. Einer der Verdächtigen ist auch geständig.

Zwei Richter haben nun die Aufgabe, die Tatvorwürfe gegen die Verdächtigen zu untersuchen, die am Sonntag seitens der Staatsanwaltschaft erhoben wurden. Es wurde die Verhängung der Untersuchungshaft bis zum äußersten prozessrechtlichen Fristende am 28. April beantragt, da Flucht- und Verdunkelungsgefahr bestünden.

Bei den Verdächtigen handelt es sich um Zaur Dadaew, einen stellvertretenden Regimentskommandeur einer Einheit des tschetschenischen Innenministeriums, sowie um Anzor Gubaschew, dessen Bruder Shagit und zwei weitere Personen namens Ramzat Bakhaew und Tamerlan Eskerkhanow.

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Ein weiterer Tatverdächtiger, der 30-jährige Beslan Shawanow, ist tot. Dem Portal Lifenews zufolge habe dieser sich am 7. März erst in seiner Wohnung in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny verbarrikadiert, sich dann der Verhaftung durch die Polizei widersetzt, indem er eine Handgranate gegen diese geworfen hätte, anschließend habe er eine Handgranate in der eigenen Wohnung gezündet.

Dadaew ist bislang als Einziger unter den Verdächtigen geständig, Teil eines Mordkomplotts gegen den Oppositionspolitiker zu sein.

Ein Ermittler bestätigt, dass die übrigen vier inhaftierten Verdächtigen eine Tatbeteiligung leugnen, Eskerkhanow soll sogar über ein Alibi verfügen. Allerdings gäbe es forensische Beweise und Aussagen von Augenzeugen, die auch die nicht geständigen Verdächtigen schwer belasteten.

Der tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow zeigte sich darüber bestürzt, dass mit dem geständigen Dadaew ein ehemaliges Mitglied seiner Sicherheitsverwaltung mutmaßlich in das Verbrechen involviert ist, zumal er diesen, so äußerte er über Twitter, als „russischen Patrioten“ kennengelernt habe. Kadyrow wolle nun eine „gründliche Untersuchung“ über die Umstände des Ausscheidens seines früheren Kommandanten aus den Reihen der Einheiten seines Innenministeriums einleiten, da er die Gründe und Motive hinter dessen Handeln nicht verstehe.

Allerdings sei ihm bekannt gewesen, dass Dadaew sich darüber „schockiert“ gezeigt hätte, wie vonseiten einiger russischer Politiker und Medien mit dem Charlie-Hebdo-Skandal umgegangen worden wäre. Nemzow war unter denjenigen, die nach dem Anschlag auf die Redaktion des Magazins in Paris Anfang Januar verlangt hatten, dass russische Medien die islamfeindlichen Cartoons drucken sollten.

In Russland ist die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen verboten, da dies als eine Form der Volksverhetzung und der Störung des sozialen Friedens in der multireligiösen Föderation betrachtet wird. In Tschetschenien hatten Millionen Menschen gegen die Karikaturen protestiert. Nemzow hatte infolge seiner Positionierung in der Charlie-Hebdo-Problematik im Vorfeld Morddrohungen erhalten.

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Westliche Medien hatten nach dem Mord an Nemzow versucht, den Kreml als Urheber des Attentats darzustellen. Diese Kampagne hat sich nun als Fiasko erwiesen. Obwohl ein Zusammenhang mit der Haltung Nemzows in Sachen Charlie Hebdo nahe liegt, will die Staatsanwaltschaft weiterhin in alle Richtungen ermitteln.

Auch wirtschaftliche und persönliche Motive hinter der Tat werden noch nicht ausgeschlossen. Immerhin bleiben unter anderem auch noch Fragen hinsichtlich der dubiosen Rolle offen, die Nemzows 23-jährige ukrainische Begleiterin am Abend des Mordes gespielt hatte, die Augenzeugenberichten zufolge in auffälliger Weise darauf insistiert haben soll, mit Nemzow zusammen zu Fuß nach Hause zu gehen, statt ein Taxi oder einen Fahrer zu bestellen, und die sich in ihren ersten Vernehmungen in Widersprüche verwickelte.

In diesem Sinne könnte auch ein Destabilisierungsversuch hinter der Tat stecken. Eine Verbindung zwischen dem Regime in Kiew und Dschihadisten besteht einerseits darin, dass unter krim-tatarischen Gegnern der Sezession der Halbinsel die terroristische Gruppe Hizb ut-Tahrir präsent ist und diese andererseits im Zusammenhang mit „Freiwilligeneinheiten“ eine Rolle spielte, die im Auftrag Kiews in der Ostukraine kämpften.

Darüber hinaus könnte auch ein Szenario nicht ausgeschlossen werden, wie es die Türkei im Zusammenhang mit der Gruppe „Ergenekon“ erlebt hatte. Damals hatten sich Parallelstrukturen innerhalb des Staatsapparates und der Medien gebildet und kriminelle Handlungen und Provokationen organisiertet, um die gewählte Regierung zu stürzen.

 

 

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