Ukrainischer Vize-Außenminister in Kanada: Wir bereiten umfassenden Krieg vor, um Putin irgendwie zu stoppen

Quelle: Adrian Wyld
Quelle: Adrian Wyld
In einem Interview mit dem kanadischen Radiosender CDC News hat der ukrainische Vize-Außenminister Vadym Prystaiko erklärt, sein Land bereite sich auf einen "umfassenden Krieg gegen Russland" vor, "denn wir müssen ihn [Putin] irgendwie stoppen". Kanada solle die Ukraine in ihrem Vorhaben mit tödlichen Waffen unterstützen. Kanada verkündete seine Bereitschaft für entsprechende Waffenlieferungen.

Prystaiko, der noch bis vergangen Herbst als Botschafter in Kanada tätig war, erklärte, die Welt solle sich nicht davor fürchten "der Ukraine bei der Bekämpfung einer Weltmacht" beizustehen.

In dem Interview mit CBC unterstrich der Vize-Außenminister, der von Deutschland und Frankreich in Minsk vermittelte Waffenstillstand werde nicht halten:

"Der größte Eisenbahnknotenpunkt [Debalzewo], den wir jemals in der Geschichte hatten, ist völlig verwüstet und zerstört. Wir sehen, sie [Regierungsgegner] sind nicht zu stoppen, Der Kampf geht jetzt auch in Richtung Süden bis nach Mariupol. Man muss kein Genie sein, um zu verstehen, was sie vorhaben, mit der Zeit versuchen sie immer mehr strategische Punkte einzunehmen."

US-Vizepräsident Joe Biden in Kiew am 22. April 2014 - Quelle: ruptly

Er selber traue dem russischen Präsidenten Wladimir Putin nicht über dem Weg. Wie Prystaiko erklärte, gehe es der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel, bezüglich Putin, nicht anders. So soll Merkel nach Angaben von Prystaiko, dem US-Präsidenten Barack Obama letztes Jahr im Vertrauen gesagt haben:

"Er ist rational auf seine Art, lebt in irgendeinem Parallel-Universum und sieht alles anders als alle anderen."
"Natürlich ist der Einsatz sehr hoch", erklärte Prystaiko und führte weiter aus:
 "Aber wir wollen niemanden erschrecken, wir sind für einen umfassenden Krieg vorbereitet. Und unabhängig davon wie gefährlich es auch klingt, wir müssen ihn [Putin] irgendwie stoppen. Und das nicht nur um die ukrainische, sondern auch die russische Nation zu bewahren."
Doch die jetzige Hilfe Kanadas ist nach Ansicht Prystaikos noch ausbaufähig:
"Wir brauchen Waffen, damit wir uns verteidigen können."
Kanada unterstützt die ukrainischen Soldaten bereits seit ungefähr zehn Jahren durch militärische Ausbildungseinheiten. Die Ukraine ersucht nun aber auch Hilfen in Form von Waffenlieferungen, finanzieller Unterstützung sowie Radar- und Satellitensystemen.

Der kanadische Verteidigungsminister Jason Kennedy erklärte bereits bei einer Pressekonferenz am vergangenen Donnerstag in Ottawa, dass die vorhandenen Radarsysteme der Ukraine nicht ausreichend für die aktuellen Herausforderungen seien. Ebenso betonte er, dass Kanadas Waffenbestände nicht ausreichen würde, um die Ukraine damit unterstützen zu können, aber eine andere Möglichkeit wäre es, Waffen anderen Orts zu erwerben und diese dann der Ukraine zu liefern.

Doch neben Waffen fehle dem Land jedoch auch die finanzielle Kraft sich gegen die Weltmacht Russland zu verteidigen, so der ukrainische Vize-Außenminister:

Putin: Nach unseren Informationen liefert der Westen bereits Waffen an Ukraine
"Vergessen Sie nicht, dass die Infrastruktur in Donetsk bereits zerstört ist. Wir haben mindestens 20 Prozent ukrainischer Industrie verloren. Auch mussten wir den Im-und Export zu Russland aufgeben."
Prystaiko bezeichnete die Situation als "schmerzhaft“, doch mit einer "standhaften Position" könne Kanada sein Land unterstützen:
"Für Europa bringt die jetzige Situation eine große Veränderung mit sich, in den Nachbarländern herrscht ein ständiges Angstgefühl."
Nach Ansicht des ukrainischen Diplomaten verliert der Westen immer mehr das Interesse an dem Ukraine Konflikt:

"Wir sehen uns gezwungen eine sehr ernsthafte Frage an den Rest der Welt zu stellen: Wie können wir auf diese neue Herausforderung reagieren? Es ist bereits 50 Jahre her, dass in Europa eine solcher Konflikt herrschte. Jetzt scheint es wieder soweit zu sein."

Damit spielte Prystaikos auf Kanadas Bereitschaft an, zwar im Irak zu intervenieren, aber keine Truppen in die Ukraine zu entsenden.

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