Snowden Dokumente: NSA und britischer GCHQ raubten großflächig Verschlüsselungscodes von Mobiltelefonen

Quelle: Pixabay (CC0 1.0)
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Streng geheime Dokumente, die vom früheren NSA-Mitarbeiter Edward Snowden bereitgestellt wurden, zeigen auf, dass die USA und Großbritannien in das Netzwerk des weltgrößten SIM-Karten-Herstellers eingebrochen sind, um die Verschlüsselungscodes zu rauben. Der Vorfall betrifft Milliarden Handy-Nutzer weltweit, auch in Deutschland.

Die Dokumente liegen dem The Intercept vor, einem Online-Nachrichtenmagazin, das vom Snowden Mitarbeiter Gleen Greenwald gegründet wurde.

Diese besagen, dass der amerikanische Geheimdienst NSA und sein britisches Gegenstück GCHQ hätten von Gemalto, dem größten SIM-Karten-Hersteller der Welt Verschlüsselungscodes gestohlen, mit denen Anrufe und SMS gesichert werden.

Quelle: Youtube Screenshot von The New Yorker

Zwei Milliarden SIM-Karten werden jährlich von Gemalto produziert und von rund 450 Mobilfunkanbietern weltweit genutzt, u.a. auch T-Mobile und Verizon, und betrifft so den Großteil der Telekommunikation der Welt. Gemalto operiert in 85 Ländern, hat mehr als 40 Produktionsanlagen und Geschäftssitze in der ganzen Welt, auch eine in Texas.

Durch die Beeinträchtigung des internen Firmennetzwerks und den Diebstahl der wertvollen Verschlüsselungscodes, konnten die NSA und GCHQ die Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz der Kommunikation hunderter Netzwerke nutzlos machen.

Laut Jeremy Scahill und Josh Begley von The Intercept zeigen Snowdens geheimen Akten, besonders ein GCHQ-Dokument von 2010, wie die anglo-amerikanischen Sicherheitsdienste sich zusammen verschworen hatten, den SIM-Karten-Hersteller zu infiltrieren. Eine Seite des Dokuments zeigt, dass das GCHQ in das Netzwerk des Herstellers eingedrungen ist, heimlich eine Schadsoftware installiert hat, das wahrscheinlich den Zugang zu Gemaltos gesamten Computersystem geöffnet hat.

Quelle: RT

Man glaubt, dass durch den Besitz des Verschlüsselungscodes es den Geheimdiensten der USA und Großbritanniens möglich ist, international und im großen Maßstab ohne Durchsuchungsbefehle oder weiteren Unterstützungsbedarf die Telekommunikation im globalen Maßstab auszuspionieren.

“Sobald man die Codes hat, ist die Entschlüsselung des Datenverkehrs trivial,” erklärte Christopher Soghoian, Haupttechnologe für die American Civil Liberties Union (ACLU), eine amerikanische Bürgerrechtsbewegung.
Anfang der Woche haben Forscher des Kaspersky Labs in Russland eine sehr ausgebuffte Hackergruppe entdeckt, die Computersysteme in dutzenden Ländern angegriffen hatten und dabei Malware und Strategien verwendeten, die denen der NSA nicht unähnlich sind. Ein früherer Angestellter des Geheimdienstes hat die Anschuldigungen bestätigt und dabei angedeutet, dass die NSA tatsächlich fähig ist, Firmensoftware zu unterwandern, die auf Harddrives weltweit installiert ist

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Sicherheitsexperten sind entsetzt von diesen Neuigkeiten. Der Sicherheitsingenieur Tony Arcieri schrieb auf Twitter, die Enthüllungen wären „schlechte Nachrichten für alle mit einer Gemalto SIM-Karte“ – was Milliarden betreffen wird, bei den hohen Produktionszahlen.