Inklusive der Ukraine - US-Söldnerfirmen in nahezu allen Krisenherden der Welt aktiv

Quelle: MaxMercy /CC BY-SA 3.0
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Söldnerheere, die immer mehr an den „Geist des Mittelalters“ erinnern, werden aufgrund des von den USA in Afghanistan und Irak initiierten Trends in nahezu allen Krisenherden der Welt immer bedeutender. Seit 2010 haben die USA mehr Söldner aus Firmen wie Academi im Auslandseinsatz als reguläre Truppen. Der Vorteil: Weil es kaum Kontrolle über das Handeln privater Armeen gibt, können sich Regierungen so kurzerhand der parlamentarischen Aufsicht entziehen. So auch im Falle der Ukraine.

Unter der Prämisse, möglichst geringe Verluste davonzutragen, die der Reputation der US-Regierung im Inland bei diversen Auslandsabenteuern schaden könnten, entdeckte diese das „Söldnertum“ wieder. Söldnerarmeen machen dicke Geschäfte, vorzugsweise mit dem US-Verteidigungsministerium, das sich beim weltweiten „Krieg gegen den Terror“ nicht nur verrennt, sondern auch seine eigenen Kriege nicht mehr kontrollieren zu können scheint.

Die Nachfrage für besondere „Sicherheitsdienstleistungen“ ist seit den Afghanistan- und Irak-Abenteuern der Vereinigten Staaten in den letzten 15 Jahren dramatisch angestiegen. Zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges setzten sich nur etwa zehn Prozent der US-Armee aus diversen Söldnerformationen zusammen. Aktuell stellt sich das Verhältnis allerdings auf den Kopf: Bereits 2010 kämpften im Ausland auf US-amerikanischer Seite nicht weniger als 207.000 private Söldner, für die das Weiße Haus keinerlei Rechenschaft schuldig ist, sollte einer von ihnen zu Tode kommen. Demgegenüber waren "nur" 175.000 reguläre Truppen der US-Army in Konfliktgebieten aktiv.

Offiziellen Angaben zufolge stiegen die Ausgaben des US-Verteidigungsministeriums in nicht einmal zehn Jahren, von 1999 bis 2008, bezeichnenderweise von 165 auf 466 Milliarden US-Dollar. Heute schicken US-Firmen wie Academi, ehemals Blackwater, die Milliarden mit dem Krieg machen, nach mehreren Berichten, unter anderem von deutschen Regierungsberatern, auch Söldner in die Ukraine, einem Land, das weder zur NATO gehört, noch offizielles Konfliktgebiet der USA ist.

So hat beispielsweise der renommierte deutsche Politikberater Michael Lüders in einem Interview

mit dem Fernsehsender Phoenix am 20.1.2015 bestätigt, dass rund 500 Academi-Söldner in der Ukraine Seite an Seite mit nationalistischen Freiwilligenverbände, wie dem Asow-Bataillon kämpfen. Er sagte:
„Es sollen sich unter anderem auch 500 Söldner der Blackwater-Organisation, die sich mittlerweile umbenannt hat, aber bekannt ist unter diesem Namen, bekannt geworden ist durch die Söldner, die auch in den Irak geschickt worden sind. Etwa 500 also an der Zahl in der Ukraine. Wir haben also nicht nur Russen, die hier aufseiten der Separatisten kämpfen, sondern auch Söldner auf Seiten der Regierung. Das ist eine gefährliche Entwicklung, eine ungute Entwicklung. Denn es ist ganz klar, dass eine Eskalation nicht ausgeschlossen ist. Und dieser Konflikt kann außer Kontrolle geraten, wenn die russische Seite oder wenn die ukrainische Seite der Meinung ist, sie könnte ganz auf Sieg setzen.“

Sean McFate, Dozent an der National Defense University, USA, und Mitglied des Atlantic Council sowie der RAND Corporation, glaubt angesichts der rasant ansteigenden Wachstumszahlen der „Branche“ und der logistischen sowie militärischen Bedeutung der Söldnerarmeen, dass die USA ein neues Zeitalter der „modernen“ Kriegsführung einleiteten, von dem sie sich selber auch nicht mehr befreien können. McFate schätzt, dass das Pentagon mittlerweile zu abhängig von ihren Söldnerheeren geworden sei, als dass es im Ausland noch ohne sie operieren könne.

Im US-Magazin The American Conservative warnte der Militär-Experte:

„Nun, da die USA die Büchse der Pandora des Söldnertums geöffnet haben, kommen private Krieger jeglicher Art aus dem Schatten, um sich an der profitablen Kriegsführung zu beteiligen.“
Laut McFate, der seinerzeit selbst für eine Söldnerfirma arbeitete, greifen die Privatarmeen zunehmend direkt ins Machtmonopol des Staates ein. Der Dozent zeichnete ein im historischen Kontext denkwürdiges Bild und setzte die aktuelle Entwicklung im Pentagon mit dem Zeitgeist vor dem Westfälischen Frieden 1648 gleich. Die „neue Ordnung“ erinnere ihn an das „Mittelalter“, in dem Könige und Fürsten ihre Kriege hauptsächlich noch mithilfe von Söldnerheeren führten.

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McFate erkannte aber auch, dass das Pentagon keine andere Wahl hatte, als im Rahmen ihrer Kriege in Afghanistan und Irak auf die „Hilfe“ der Söldnerheere zu setzen: „Als die Politiker den Irak-Krieg begannen, dachten sie nicht, dass er mehr als ein paar Wochen andauern würde. Sie hatten dann drei schreckliche Möglichkeiten: Sie konnten den Rückzug befehlen, sie konnten eine Einberufung wie in der Vietnam-Ära anordnen oder sie konnten Aufträge ausschreiben. Also haben sie sich entschlossen, Subunternehmer anzuheuern. Deshalb haben wir nun dieses Phänomen und deshalb ist es nicht staatlich reguliert.“

In Anbetracht zahlreicher blutiger Skandale und Kritik an den Söldnerfirmen wurde Blackwater 2007 unter anderem für ein Massaker an 17 irakischen Zivilisten schuldig gesprochen. Dennoch erklärte McFate:

„Die Branche ist hier, um zu bleiben. Sie wird nirgendwo hingehen.“

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