Planten EU und USA gemeinsam den Staatsstreich in der Ukraine?

Quelle: Ruptly
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Wie der ehemalige Ministerpräsidenten der Ukraine, Nikolai Asarow, berichtet, waren es nicht russische, sondern EU-Spitzenbeamte, die dem Land, sollte es sich gegen das Assoziierungsabkommen mit der EU stellen, mit einem Regime-Change drohten. Die US-Regierung soll sich nach Asarows Aussagen, proaktiv dafür eingesetzt haben, den damaligen ukrainischen Präsidenten zu entmachten.

"Ich habe weder Putin noch Medwedew sagen hören, sollten Sie die Vereinbarung mit der EU unterzeichnen, wird die jetzige Regierung ausgewechselt. Doch dagegen habe ich mehrfach vom EU-Kommissar für Erweiterung und Nachbarschaftspolitik, Stefan Füle, gehört, sollten wir das Dokument nicht unterzeichnen, wird es eben eine neue Regierung tun."

So Asarow bei seiner Buchveröffentlichung „Ukraine am Scheideweg. Notizen eines Premierministers“ am gestrigen Moskau.

Im Februar 2014 kam es in Kiew zu Ausschreitungen, nachdem der damalige Präsident Viktor Janukowitsch seine Entscheidung das Assoziierungsabkommen mit der EU zu unterschreiben, hinauszögerte. Die führte in Folge zu einem Regimewechsel. Laut Asarow basierte der Plan Janukowitsch aus seinem Amt zu entheben, auf Washingtons Eingreifen:

"Die US-Regierung hat sich dafür eingesetzt, den damaligen ukrainischen Präsidenten zu entmachten. Ich glaube Washingtons Taktik war es, Janukowitsch nach und nach aus dem Verkehr zu ziehen".
Der ehemalige Ministerpräsident gab seinen Posten bereits Ende Januar 2014 in der Hoffnung auf, sein Rücktritt könnte eine Chance zur Annäherung zwischen Regierung und Demonstranten darstellen.

Bei den Zusammenstößen zwischen Polizeikräften und Demonstranten des sogenannten Euromaidans im vergangenen Februar im Zentrum der Hauptstadt, sind über 100 Menschen getötet worden. Wer hinter diesen Scharfschützen-Anschlägen steht, konnte bis heute nicht aufgeklärt werden.

Wie Asarow berichtet, hatte Janukowitsch jede Gelegenheit genutzt, um "für Ordnung im Land" zu sorgen, doch die Morde auf dem Maidan hätten den Präsidenten "praktisch gelähmt".

Sowohl Janukowitsch, wie auch Asarow mussten nach dem Staatsstreich aus der Ukraine fliehen. Zuflucht haben beide Staatsmänner in Russland gefunden. Bis heute fürchtet Asarow, wie er erklärt, noch um sein Leben.

Mitte Januar setzte Interpol den ehemaligen ukrainischen Präsidenten und Ministerpräsidenten auf Bitten Kiews auf eine internationale Fahndungsliste. Beiden Politikern wird während ihres Staatsdienstes, Veruntreuung und Unterschlagung vorgeworfen.

Die neue Regierung unterzeichnete die wirtschaftlichen wie politischen Aspekte des Assoziierungsabkommens. Diese wurden dann gleichzeitig vom EU-Parlament im September 2014 ratifiziert.

Der Ex-Premier beschrieb die aktuellen Ereignisse im Südosten des Landes, in denen die Kämpfe zwischen Selbstverteidigungskräften und Militäreinheiten aus Kiew weiterhin anhalten, als „Katastrophe“.

Aufgrund der Tatsache, dass anscheinend beide Seiten nicht in der Lage seien, eine friedliche Lösung für den Konflikt zu finden, fordert Asarow eine internationale Konferenz, unter Führung von Russland, Deutschland und den USA, um ein Ende der Gewalt in der Ukraine zu erreichen:

"Wenn die Kräfte innerhalb eines Landes nicht mehr zu stoppen sind- wie es bereits mehrmals in der Geschichte der Welt passiert ist- müssen sich andere versammeln und Entscheidungen treffen. Vertrauen Sie mir, Russland, Deutschland und die USA verfügen über genug Macht um dem Konflikt in der Ostukraine ein Ende zu setzen. Sie müssten sich nur auf einen Weg einigen."
Befragt nach seiner Einschätzung zur Legitimität des aktuellen Präsidenten Petro Poroschenko und Ministerpräsidenten Arsenij Jazenjuk antwortet er abschließend:
"Wie kann ich sie als legitime Autoritäten ansehen, wenn sie aufgrund eines bewaffneten Putsches an die Macht gekommen sind, sich an ungeheuerlichen Verbrechen beteiligen und weiterhin einen Bruderkrieg im Osten des Landes vorantreiben."

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