Tod des saudischen Königs Abdullah: Der IS trauert und der Ölpreis steigt

Quelle: U.S. Department of State
Quelle: U.S. Department of State
Nach dem Tod des saudischen Königs Abdullah wird sein 79-jähriger, an Demenz erkrankter Halbbruder Salman das höchste Amt im Staat übernehmen. Es wird erwartet, dass Saudi-Arabien seinen politischen Kurs, der zwischen autoritärer Politik im Inneren, außenpolitischer Willfährigkeit gegenüber dem Westen und gleichzeitig ambivalentem Verhältnis zum Terrorismus schwankt, auch unter der neuen Führung beibehalten wird. Das politische Umfeld wird für die Golfmonarchie jedoch schwieriger.

Nach knapp zehn Jahren im Amt ist am heutigen Freitag, dem 23.01.2015, der König und Premierminister von Saudi-Arabien, Abdullah ibn Abd al-Aziz, an den Folgen einer Lungenentzündung. Bereits seit November 1995 hatte er als Kronprinz faktisch die Amtsgeschäfte seines Bruders, des damaligen Königs Fahd, geführt, nachdem dieser einen Schlaganfall erlitten hatte. Er war Hüter der beiden Heiligen Stätten in Mekka und Medina.

Das höchste Amt im Staat wird nun Abdullahs 79-jähriger Halbbruder Salman einnehmen, der allerdings wegen seiner Demenzerkrankung lediglich als König auf Abruf gilt. Die Amtsgeschäfte dürfte faktisch dessen Kronprinz, der 69-jährige Prinz Muqrin führen.

Der Tod des Königs kommt für Saudi-Arabien in einer Zeit, in der sowohl die innen- als auch die außenpolitische Lage für die Golfmonarchie sich zunehmend als gespannt gestaltet. Saudi-Arabien, das sich außenpolitisch nach dem 11. September 2001 stärker als je zuvor an den USA ausgerichtet hatte und sich als Partner im Kampf gegen den Terrorismus inszenierte, gilt selbst als ein Land, das die Unterstützung terroristischer Aktivitäten im Ausland zumindest toleriert.

IS-Strategiewechsel: Ziehvater Saudi-Arabien als nächstes Opfer?

Insbesondere an dschihadistische Rebellen in Syrien und Libyen sollen seit Beginn des „Arabischen Frühlings“ 2011 massive Geldmittel und auch Waffen geflossen sein, nicht selten aus den reichhaltigen Beständen, die Riad von westlichen Rüstungsfirmen erworben hat.

Saudi-Arabien selbst bestreitet jedwede Verwicklung in terroristische Umtriebe und versucht, den Schwarzen Peter an die Nachbarmonarchien am Golf, unter anderem an Katar sowie an die Türkei weiterzureichen, die man als Konkurrent um Einflusssphären im Nahen Osten betrachtet.

Es gilt jedoch als offenes Geheimnis, dass Saudi-Arabien nicht nur seine extrem wahhabitische Auslegung des Islam in aller Welt fördert und aus dem Königreich unter anderem Geld an salafistische Gruppen in Westeuropa fließt, sondern dass man Terroristen mobilisiert, um Staaten zu destabilisieren, die den geopolitischen Einflussinteressen Saudi-Arabiens selbst und der USA im Wege stehen, darunter Russland, wo man in Tschetschenien Dschihadisten beim Aufstand gegen die Regierung in Moskau unterstützte, oder Syrien.

Dass die Förderung des Terrorismus droht, auf Saudi-Arabien selbst zurückfallen, merkte man, nachdem es zu ersten Anschlägen auf eigenem Boden gekommen war. Seither versuchte man, sich beim Export des bewaffneten „Dschihads“ zurückzuhalten, zumal der Unmut über das Gebaren Riads auch im Westen, der sich auf Grund der willfährigen außenpolitischen Haltung der Golfmonarchie kaum kritisch zu Wort gemeldet hatte, im Steigen begriffen ist.

Seither wurde das Antiterrorgesetz in Saudi-Arabien weiter verschärft, um zu verhindern, dass Syrien-Rückkehrer den Krieg in ihre Heimat tragen, und es wurde immer wieder an die USA und die Nato appelliert, ihre Truppenpräsenz zu verstärken. Das „Teilnehmen an Kampfhandlungen außerhalb des Königreichs“ wird künftig mit  bis zu 20 Jahren Haft bestraft.

Auch innenpolitisch bleibt es bei der autoritären Linie, wie sich jüngst an der Auspeitschung eines oppositionellen Bloggers zeigte, die erst auf massiven Druck vonseiten der westlichen Verbündeten ausgesetzt worden war.

Obwohl der Unmut über den Verbündeten auch im Westen steigt, wird dieser weiterhin in einem hohen Maße von Saudi-Arabien und dessen Ölexporten abhängig bleiben. Zuletzt hatten die USA versucht, mittels massiven Ausbaus der Fracking-Technologie zur Gewinnung von Schieferöl von der Golfmonarchie unabhängig zu werden, aber die Saudis konterten mit einer massiven Dumpingpolitik hinsichtlich des Ölpreises, um die Frackingunternehmen aus dem Markt zu fegen.

Die Nachricht vom Tod des saudischen Königs hat den Ölpreis an den internationalen Rohstoffbörsen unterdessen wieder steigen lassen, im frühen asiatischen Handel stieg dieser von 47,76 auf 49,3 US-Dollar pro Barrel.

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